|
|
 |
 |
|
 |
 |
|
Literarische Küche
Viele bekanntere und unbekanntere Literaten aus verschiedenen Jahren schreiben über die wesentlichen Dinge das Kochen, Essen und Trinken.
Hier eine kleine Auswahl von Anekdoten, Sprüchen und Gedichten rund um die Küche
Viel Vergnügen beim Stöbern und Schmunzeln..
|
|
|
Von Joachim Ringelnatz:
Abschiedsworte an Pellka
Jetzt schlägt deine schlimmste Stunde, du Ungleichrunde, du Ausgekochte, du Zeitgeschälte, du Vielgequälte, du Gipfel meines Entzückens.
Jetzt kommt der Moment des Zerdrückens mit der Gabel!-- Sei stark! Ich will auch Butter und Salz und Quark oder Kümmel, auch Leberwurst in dich stampfen.
Musst nicht so ängstlich dampfen. Ich möchte dich doch noch einmal erfreun. Soll ich Schnittlauch über dich streun? Oder ist dir nach Hering zumute?
Du bist ein so rührend junges Blut. - Deshalb schmeckst Du besonders gut. Wenn das auch egoistisch klingt, so tröste dich damit, du wundervolle Pellka, dass du eine Edelknolle warst, und dass dich ein Kenner verschlingt.
Von Dieter Lietz:
Im Topf zwei kleine Gurken lagen. Da hörte ich die eine fragen: "Warum, Gefährtin, sind wir sauer? Erklär mir diesen Fakt genauer!" Drauf sprach die andre tief bewegt: "Na ja, man hat uns reingelegt."
Von Erich Kästner:
Casanova sprach lächelnd zu seinen Gästen: "Mit den Frauen ist es, ich hoffe, ihr wisst es, wie mit den Äpfeln rings an den Asten. Die schönsten schmecken nicht immer am besten!"
Von Wilhelm Busch
Es wird mit Recht ein guter Braten Gerechnet zu den guten Taten; Und daß man ihn gehörig mache, Ist weibliche Charaktersache. Ein braves Mädchen braucht dazu Mal, erstens, reine Seelenruh, Daß bei Verwendung der Gewürze Sie sich nicht hastig überstürze.
|
|
|
|
 |
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
|
|
|
Gemälde von Frank Snyder
|
|
|
Von Wilhelm Busch:
Pfannekuchen und Salat
Von Fruchtomeletts, da mag berichten ein Dichter aus den höhern Schichten. Wir aber, ohne Neid nach oben, mit bürgerlicher Zunge loben uns Pfannekuchen und Salat.
Wie uns`re Liese delikat so etwas backt und zubereitet, sei hier in Worten angedeutet:
Drei Eier, frisch und ohne Fehl, und Milch und einen Löffel Mehl, die quirlt sie fleißig durcheinand zu einem innigen Verband.
Sodann, wenn Tränen auch ein Übel, zerstückelt sie und mengt die Zwiebel mit Öl und Salz zu einer Brühe, dass der Salat sie an sich ziehe.
Um diesen ferner herzustellen, hat sie Kartoffeln abzupellen. Da heißt es, fix die Finger brauchen den Mund zu spitzen und zu hauchen, denn heiß geschnitten nur allein kann der Salat geschmeidig sein.
Hierauf, so geht es wieder heiter mit unserem Pfannekuchen weiter.
Nachdem das Feuer leicht geschürt, die Pfanne sorgsam auspoliert, der Würfelspeck hineingeschüttelt, so dass es lustig brät und brittelt, pisch - kommt darunter mit Gezisch das ersterwähnte Kunstgemisch.
Nun zeigt besonders und apart sich Lieschens Geistesgegenwart, denn nur zubald, wie allbekannt, ist solch ein Kuchen angebrannt. Sie prickelt ihn, sie stockert ihn, sie rüttelt, schüttelt, lockert ihn und lüftet ihn, bis augenscheinlich die Unterseite eben bräunlich, die umgekehrt geschickt und prompt jetzt ihrerseits nach oben kommt.
Geduld, es währt nur noch ein bissel, dann liegt der Kuchen auf der Schüssel. Doch späterhin die Einverleibung, wie die zu Mund und Herzen spricht, das spottet jeglicher Beschreibung, und darum endet das Gedicht.
|
|
|